"Euros für Ärzte" – wie viel Transparenz verträgt die Medizin?

MONTAG, 28. November 2016, 17:00-18:30 Uhr, Lloyd Saal

Das gemeinnützige Recherchezentrum correctiv und SPIEGEL ONLINE haben in diesem Sommer mit einer gemeinsamen  datenjournalistischen Recherche für Aufsehen gesorgt: Mit „Euros für Ärzte“ wurde erstmals öffentlich, dass im vergangenen Jahr 575 Millionen Euro an mehr als 71.000 Ärzte und medizinische Einrichtungen in Deutschland geflossen sind.

Honorare, Spenden, Fortbildungen: Pharmafirmen bezahlen Ärzte für Vorträge, laden sie zu Kongressen ein, erstatten ihnen Hotelübernachtungen, honorieren sie für Anwendungsbeobachtungen. Werden Ärzte damit beeinflussbar – obwohl sie eigentlich nur nach bestem medizinischem Wissen und Gewissen handeln sollten? Trotz der Zuwendungen halten sich viele Mediziner für unabhängig. Wie groß ist der „blinde Fleck“ der Ärzte hinsichtlich möglicher Interessenskonflikte?

Ausgangspunkt der Recherche ist der „Transparenzkodex“, den sich der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) und der Verein Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) in Eigeninitiative auferlegt haben: Ende Juni legten 54 Pharmafirmen erstmals offen, wie viel Geld sie an Ärzte und medizinische Organisationen und Einrichtungen in Deutschland zahlen. Allerdings haben von den 71.000 Medizinern, die Zuwendungen erhalten haben, nur etwa 20.000 zugestimmt, dass die an sie geleisteten Zahlungen veröffentlicht werden dürfen.

In diesem Workshop erklären die Rechercheure ihre Strategie, Vorgehensweise und Problemstellungen. Anschließend sollen die Ergebnisse mit Ärzten und Vertretern der Pharmaindustrie weiterführend diskutiert werden:

Wieviel Transparenz ermöglicht der Transparenzkodex von vfa und FSA tatsächlich, wo liegen seine Stärken und Schwächen? Warum tun sich so viele Ärzte schwer mit der namentlichen Veröffentlichung ihrer Zuwendungen? Wie berechtigt sind die Gegenargumente? Und: Welchen Einfluss haben die Zahlungen der Pharmaindustrie wirklich auf die Mediziner? Welche evidenzbasierten Belege gibt es für Unabhängigkeit und Beeinflussbarkeit? Inwieweit wäre eine gesetzliche Regelung wie in den USA sinnvoll, wo der Physician Payment Sunshine Act alle Unternehmen verpflichtet, Zahlungen an Ärzte zu melden, die dann mit Namen, Grund und Höhe der Zahlung in eine öffentlich zugängliche Datenbank eingepflegt werden?

REFERENTEN:

  • Dr. med. Christiane Fischer, Ärztliche Geschäftsführerin, MEZIS e.V. - Mein Essen zahl ich selbst
  • Markus Grill, Chefredakteur, correctiv
  • Dr. Rolf Hömke, Senior Referent Wissenschaftspresse, vfa
  • Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin & Blogger, Dortmund

MODERATION:

  • Dr. Regina Oehler, Redaktion Bildung und Wissenschaft, hr-info, Frankfurt a.M.


Die Präsentationen der Session finden Sie hier:

A9, Fischer: Euros für die Ärzte - wie viel Transparenz verträgt die Medizin?

A9, Schätzler: Euros für die Ärzte - wie viel Transparenz verträgt die Medizin?



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