A9_Workshop
Die vernachlässigte Forschung an Antibiotika

MONTAG, 04.12.2017, 17:00-18:30 Uhr, Raum titanium 2

In Kooperation mit VMWJ
Handwerk und Praxis

Bereits 2014 warnte die WHO vor einer "post-antibiotischen Ära", vor allem in Krankenhäusern sind multiresistente Erreger ein wachsendes Problem. Die Medizin benötigt dringend neue Antibiotika, doch die Forschung stockt: Die Entwicklung ist für viele Pharmaunternehmen schlicht nicht lukrativ genug. Mit Volkskrankheiten wie Diabetes oder kostspieligen Krebsbehandlungen lässt sich deutlich mehr Gewinn erwirtschaften als mit Mitteln, die nur für wenige Tage verschrieben werden und möglichst selten zur Anwendung kommen sollten.

Unter den deutschen Firmen forschen laut vfa lediglich Evotec und AiCuris an neuen Antibiotika. Doch die Entwicklung eines neuen Antibiotikums kann gut zehn Jahre dauern und bis zu 1,5 Milliarden Euro kosten. Fehlt es an staatlichen Anreizen, neue Antibiotika für den Einsatz gegen multiresistente Keime zu entwickeln? Wie sinnvoll ist die Strategie der Bundesregierung, die auf mehr Kooperationen zwischen universitären Einrichtungen und der Industrie setzt?

Helfen die bessere Vergütung von Reserve-Antibiotika oder die Förderung von Schnelltests zur zielgenauen Anwendung von Antibiotika? Besteht überhaupt eine Chance, den markwirtschaftlichen Mechanismus „Je wirksamer und spezifischer das Medikament, desto geringer die Margen“ auszuhebeln?

REFERENTEN:

Dr. Regina Oehler [Mod.]

Redaktion Bildung und Wissenschaft, hr-info, Frankfurt a. M.

Regina Oehler ist Wissenschaftsredakteurin beim Hessischen Rundfunk (hr). Bei hr-info bearbeitet sie die Themen Wissenschaft und Bildung, sie ist dort unter anderem verantwortlich für das Funkkolleg Biologie und Ethik. Für die einstündige Sendereihe hr2-Doppelkopf spricht sie mit Wissenschaftlern. Regina Oehler hat Biologie und Psychologie studiert und in Freiburg und Oxford als Neurobiologin gearbeitet. Sie hat u. a. für die Süddeutsche Zeitung, ZEIT und GEO geschrieben und zahlreiche Artikel zu neurobiologischen und psychologischen Themen verfasst. An der Universität Mainz hatte sie 16 Jahre lang einen Lehrauftrag für Wissenschaftsjournalismus. Sie ist Mitglied im Verband der Medizin- und Wissenschaftsjournalisten e. V. (VMWJ) und hat sich dort lange im Vorstand engagiert.

Außerdem ist sie im Programmbeirat der WISSENSWERTE und als Gutachterin beim Projekt Medien-Doktor aktiv.

Irene Berres

Redakteurin Gesundheit, SPIEGEL ONLINE

Irene Berres ist in Südhessen geboren und aufgewachsen und hat Wissenschaftsjournalismus in Darmstadt und Dortmund studiert. Sie absolvierte Hospitanzen und war freie Mitarbeiterin bei der ZEIT, Stuttgarter Zeitung, Rheinpfalz am Sonntag und dem Hörfunkprogramm des Hessischen Rundfunks. Seit Januar 2012 ist sie Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE mit dem Schwerpunkt Medizin.

Prof. Dr. Susanne Häußler

Leiterin Molekulare Bakteriologie, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), Braunschweig

Susanne Häußler hat Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Lübeck und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) studiert und 1995 an der MHH promoviert. Nach einem Jahr in der Inneren Medizin im Marienhospital Vechta hat sie ihre Facharztausbildung MHH aufgenommen. Seit 2002 ist sie Fachärztin für Medizinische Mikrobiologie, seit 2004 in diesem Fach habilitiert. Ihr Forschungsinteresse gilt der Entstehung und Bekämpfung von chronischen Pseudomonas aeruginosa Infektionen. An diesem Schwerpunkt arbeitete sie von 2003 bis 2004 als Projektleiterin am heutigen Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). Von 2005 bis 2010 leitete sie am HZI eine eigene Helmholtz-Hochschul-Nachwuchsgruppe. Im Januar 2009 hat sie einen Ruf auf die Professur "Pathophysiologie bakterieller Biofilme" am TWINCORE Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung in Hannover angenommen. Seit 2012 ist sie Abteilungsleiterin am HZI und Direktorin des Instituts für Molekulare Bakteriologie an der MHH.

Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff [per Skype]

Vorsitzende des Beirates, AiCuris

Die promovierte Chemikerin leitete zunächst das Chemotherapeutische Forschungsinstitut Georg-Speyer-Haus in Frankfurt und baute es zu einer erfolgreichen akademischen Einrichtung der medizinischen Grundlagenforschung auf (1987-1993, Schwerpunkte: HIV, Onkologie). 1994 wechselte sie als Leiterin der Virusforschung zu Bayer und wurde 2001 Leiterin der gesamten Infektionsforschung. 2006 gründete Rübsamen-Schaeff die Biopharma-Firma AiCuris, deren Geschäftsführerin sie bis 2015 war. AiCuris konnte kürzlich die kürzlich die Zulassung ihres ersten Medikaments Prevymis feiern. Prof. Rübsamen-Schaeff ist aktuell im Beirat der AiCuris tätig, Mitglied des Aufsichtsrats und des Gesellschafterrats der Merck KGaA bzw. E.Merck KG und Vorsitzende dessen F&E-Ausschusses, ferner Aufsichtsrätin der 4SC sowie der Unikliniken Bonn.

Dr. Christian Wagner-Ahlfs

BUKO Pharma-Kampagne

Christian Wagner-Ahlfs arbeitet seit 2001 bei der BUKO Pharma-Kampagne. Er hat in Anorganischer Chemie promoviert und setzt sich für eine Wissenschaft ein, die möglichst vielen Menschen Nutzen bringt. Aktuell koordiniert er das Projekt med4all zur sozialverträglichen Patentverwertung. Weitere Projekte: Antibiotikaresistenz als globale Herausforderung und der Memento-Preis für vernachlässigte Krankheiten. Beim WHO-Prozess für eine Verbesserung der internationalen Arzneimittelversorgung vertrat er 2007/08 das Netzwerk Health Action International bei den Verhandlungen in Genf, für das er von 2005 bis 2017 auch im Vorstand arbeitete. 2002/03 war Christian Wagner-Ahlfs verantwortlich für die Kampagne gegen eine Aufhebung des Werbeverbots für rezeptpflichtige Medikamente, die zur Ablehnung durch das Europäische Parlament führte. Seit 2005 ist er auch leitender Redakteur der Verbraucherzeitschrift Gute Pillen - Schlechte Pillen.



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