B8_Diskussion
Correctiv und die Perspektiven für den gemeinnützigen Journalismus

DIENSTAG, 05.12.2017, 14:00-15:30 Uhr, Konferenzraum 3

Das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv hat einen fulminanten Start hingelegt: Correctiv veröffentlicht Recherchen zu multiresistenten Keimen in Krankenhäusern und Pharmagelder für Ärzte, Correctiv checkt Fake News für Facebook, Correctiv startet die Online-Journalistenschule "Reporterfabrik" für Profi-Journalisten und Bürger. Doch so sehr man Correctiv als stiftungsfinanzierte Alternative zur bisherigen journalistischen Organisationsform die Daumen drücken mag: Es mehren sich Stimmen, die die Qualität der Arbeit etwa bei Keim-Recherche und „Euros für Ärzte“ kritisieren – statt auf schnelle Knalleffekte sollten die Kollegen lieber auf gründlichere Recherche setzen. Gerät das Experiment Correctiv in eine gefährliche Schieflage?

In dieser Session wollen wir zunächst Correctiv als organisatorische und journalistische Innovation beleuchten und die Medizinrecherchen hinterfragen, um dann die Perspektiven für den stiftungsfinanzierten Journalismus auszuloten: Inwieweit ist eine Strategie, die auf eine hohe Schlagzahl von Scoops statt auf Solidität und Seriosität der Recherchen setzt, riskant für stiftungsfinanzierte Redaktionen mit begrenzten Ressourcen? Wie könnten gemeinnützige Recherchen weniger fehleranfällig und valider werden? Wäre die Zusammenarbeit mit fachjournalistischen Experten schon bei der Konzeption der Recherchen sinnvoll?

Dabei wollen wir aufzeigen, wie solche konzeptionellen Kooperationen konkret aussehen könnten: Welche Erfahrung hat etwa der Rechercheverbund NDR/WDR/SZ mit der Zusammenarbeit und Bündelung von Recherchen gemacht? Welche weiteren sinnvollen Kooperationsformen lassen zwischen neuen stiftungsfinanzierten Strukturen und etablierten Medien denken, um journalistische Qualität zu erhalten?

REFERENTEN:

Christoph Koch [Mod.]

Ressortleiter Wissenschaft, Medizin und Technik, stern

Christoph Koch ist seit 2002 Ressortleiter Wissenschaft, Medizin und Technik beim Magazin stern. Das Klinikum der Universität Marburg beschäftige ihn nach seinem Studium der Humanbiologie (Physiologie, Humangenetik, Biochemie) als wissenschaftlichen Angestellten, er war dort an der Programmierung der physiologischen Computersimulationen für Froschversuche beteiligt, die mittlerweile vorklinischer Standard sind. Christoph Koch ist Absolvent des 20. Lehrgangs der Henri-Nannen-Journalistenschule. Vom Posten als Redakteur für Wissenschaft, Medizin und Computer beim stern wechselte er 1999 zur Redaktion für Wissenschaft und Technik von DIE WOCHE. 2001 kehrte er zum stern zurück. Seither erwarb er einen Bachelorgrad in Sozialwissenschaften und einen MBA Life Sciences.

Christian Baars

Redakteur, Ressort Investigation, Norddeutscher Rundfunk

Christian Baars arbeitet seit 2014 als Redakteur im Ressort Investigation beim NDR. Er hat Romanistik und Politikwissenschaft in Hamburg und Dakar studiert, dann ab 2003 beim NDR volontiert. Anschließend hat er als Redakteur für die Tageschau sowie als Reporter unter anderem für NDR Info und das ARD-Politikmagazin Panorama gearbeitet. 2009 hat er gemeinsam mit Oda Lambrecht das Buch Mission Gottesreich - Fundamentalistische Christen in Deutschland veröffentlicht. Ab 2010 hat er als Redakteur bei NDR.de gearbeitet, zwischenzeitlich das Aktuell-Team dort geleitet.

Quelle: http://www.ndr.de/nachrichten/investigation/baars108.html

Prof. Dr. Volker Lilienthal

Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus, Universität Hamburg

Volker Lilienthal war bis zu seiner Berufung an die Universität Hamburg Verantwortlicher Redakteur des Fachdienstes epd medien in Frankfurt am Main. Im Wintersemester 2007/08 hatte er die Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des Qualitätsjournalismus bereits vertreten. Sein Studium der Journalistik an der Universität Dortmund schloss er 1983 als Diplom-Journalist ab. Darauf folgte ein Studium der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft an der Universität Siegen, das Lilienthal 1987 mit der Promotion beendete. Seit 1989 war er Redakteur beim Evangelischen Pressedienst (epd), seit 1997 stellvertretender Ressortleiter und seit Januar 2005 Verantwortlicher Redakteur von epd medien. Prof. Lilienthal wirkt in mehreren Jurys von Medienpreisen mit, u. a. beim Otto Brenner Preis für Kritischen Journalismus. Mitherausgeber der Internationalen Zeitschrift für Journalismus MESSAGE seit 2012.

Volker Stollorz

Redaktionsleiter, Science Media Center Germany (SMC), Köln

Volker Stollorz ist seit Juni 2015 Redaktionsleiter und Geschäftsführer der Science Media Center Germany gGmbH in Köln. Davor war er als Freier Wissenschaftsjournalist mit dem Schwerpunkt Medizin und Lebenswissenschaften für überregionale Zeitungen, Magazine, Hörfunk und Fernsehen tätig. Nach einem Studium der Biologie und Philosophie an der Universität Köln begann seine journalistische Karriere 1991 nach Forschungsaufenthalten

in Amsterdam und Boston. Er war u. a. Redakteur bei der Hamburger Zeitung DIE WOCHE und schrieb regelmäßig für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, GEO

und NZZ Folio. Darüber hinaus engagiert er sich in der Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK). Volker Stollorz ist Träger des Georg von Holtzbrinck Preises für Wissenschaftsjournalismus 2004.

Kathrin Zinkant

Wissenschaftskorrespondentin, Süddeutsche Zeitung, Berlin

 

Kathrin Zinkant hat Biochemie studiert und für die FAS, Technology Review, stern, ZEIT Online und ZEIT Wissen über Gesundheitsthemen und andere schöne Dinge geschrieben – von der Versorgung eines Kratzers bis hin zum Krötentunnel. Sie war Redakteurin der Wochenzeitung Der Freitag und Ressortleiterin Life Sciences für die deutsche Ausgabe des New Scientist. Seit 2014 ist sie Wissenschaftsredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung, seit November 2015 als Wissenschaftskorrespondentin in Berlin. 



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