B11_Werkstattgespräch
"Vorzeitige Todesfälle" – eine fragwürdige Einheit

DIENSTAG, 05.12.2017, 14:00-14:45 Uhr, Raum palladium

Studien belegen einen recht eindeutigen Zusammenhang zwischen Luftqualität und gesundheitlichen Risiken. Oft kommt dabei der Begriff der "vorzeitigen Todesfälle" (premature deaths) ins Spiel. Auch die WHO publiziert solche Zahlen, die als Begründung für Gesetze zur Luftreinhaltung dienen. Die Maßeinheit "vorzeitige Todesfälle" ist jedoch weder methodisch gerechtfertigt noch sinnvoll. In journalistischen Veröffentlichungen werden aus "vorzeitigen Todesfällen" zudem gerne nur "Todesfälle". Oder man vergleicht die Zahl mit Verkehrstoten: "Die durch Autoabgase verursachte Luftverschmutzung fordert jährlich mehr Tote als Autounfälle." Im Werkstattgespräch berichtet Quarks-Autor Axel Bach, welche Auswirkungen dieser Fehler hat. Dazu erläutert der Mathematiker und Epidemiologe Dr. Peter Morfeld die weitgehend unbeachtete Problematik anhand einfacher Beispiele und berichtet von seinen Erfahrungen, wie schwierig es ist, diesen Fehler zu korrigieren, der durch das Peer-Review-Verfahren fälschlicherweise geadelt wurde.

REFERENTEN:

Axel Bach

Freier Wissenschaftsjournalist, Köln

Axel Bach arbeitet seit 1996 vor allem für die Wissenschaftsredaktion des WDR-Fernsehens. Zuvor hat er Chemie und Sozialwissenschaften studiert. Schwerpunkte seiner Arbeit sind alltagsnahe Fragen, Erklärstücke zu komplexen Themen und große Wissenschaftsaktionen. Seit 2004 hat er zudem fünf Experimente-Shows für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt. Im Herbst 2017 war er "Journalist in Residence" beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung. Ehrenamtlich ist Axel Bach Vorsitzender des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen und leitet seit 2001 den Felix-Rexhausen-Journalisten-Preis.

PD Dr. Peter Morfeld

Epidemiologe, Universität Köln / Ruhr-Universität Bochum

Peter Morfeld ist Diplom-Mathematiker. 1993 promovierte er an der Cologne University Medical School, an der er sich 2005 im Bereich Epidemiologie in der Arbeitsmedizin auch habilitierte. Später arbeitete er bei Evonik, wo er das Institut für Epidemiologie und Risikobewertung in der Arbeitswelt leitete. Er ist und war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gremien, zum Beispiel der MAK-Kommission, und hat über 350 wissenschaftliche Publikationen verfasst. Derzeit forscht er sowohl an der medizinischen Fakultät der Universität Köln als auch an der mathematische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum. Aktuell arbeitet er an der Widerlegung der von einigen Wissenschaftlern genutzten Maßeinheit der "vorzeitigen Todesfälle", die insbesondere im Zusammenhang mit Veröffentlichungen zur Luftverschmutzung auftaucht. 

 



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