A7_Diskussion
Fact-Checking gegen Fake News

MONTAG, 04.12.2017, 17:00-18:30 Uhr, Konferenzraum 3

Was tun gegen Fake News? Viele Medien wollen gefühlte Wahrheiten und „alternative facts“ mit Fact-Checking und dem öffentlichen Richtigstellen von falschen Behauptungen bekämpfen. Doch sind diese Mittel tatsächlich geeignet?

Dr. Philipp Müller, Medienforscher an der Uni Mainz, ist nicht besonders optimistisch: Widerspruch helfe nicht viel. Aussichtsreicher sei es, das dahinterstehende Weltbild in den Fokus zu nehmen – vor allen das wachsende Unbehagen mit Globalisierung und Digitalisierung: „Man muss eingestehen, dass die gesellschaftlichen Eliten tatsächlich Fehler gemacht haben und so eine wachsende ökonomische Ungleichheit auf der Welt ermöglicht haben.“ Nur wenn man diese Punkte offen anspreche, könne man Populisten und die aus ihrem Lager gestreuten Falschmeldungen ihrer Wirkungskraft berauben.

Dagegen investieren US-Zeitungen wieder in bessere Recherche und Fact-Checking: Washington Post, New York Times u.a. suchen gezielt nach neuen Journalisten, die „Fake News“ und „alternative Fakten“ korrigieren. Auch Tagesschau, BR und dpa bauen gerade Verifikationseinheiten auf.

Was taugt Fact-Checking also wirklich im Kampf gegen Fake News? Welche alternativen Strategien werden in den (Wissenschafts-)Redaktionen diskutiert und ausprobiert? Wie kann man Menschen erreichen, die nur noch Blogs und soziale Medien konsumieren?

Was können Wissenschaftler mit neuen Tools zur (teil-)automatischen Überprüfung von Nachrichten in Bild, Text und Ton beitragen? Inwiefern können Journalisten auch von ganz alltäglichen Strategien profitieren, mit der man in der Wissenschaft versucht, der Wahrheit näher zu kommen? Können Journalisten und Wissenschaftler gar als „Dream Team für Fact-Checking“ zusammenfinden?

REFERENTEN:

Prof. Holger Wormer [Mod. ]

Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus, Technische Universität Dortmund

Holger Wormer ist seit 2004 Inhaber des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus an der Technischen Universität Dortmund, an dem von 2008 bis 2012 die Initiative Wissenschaftsjournalismus angesiedelt war. Er studierte Chemie mit Philosophie im Nebenfach in Heidelberg, Ulm und Lyon. Von 1986 an ist er als Freier Journalist für verschiedene Medien tätig, darunter die Rheinische Post, dpa, das P.M.-Magazin, und den WDR. Von 1996 bis 2004 war Wormer Wissenschaftsredakteur bei der Süddeutschen Zeitung mit den Schwerpunkten Medizin, Gentechnik sowie Qualität, Ethik und Fälschung in der Forschung. Er ist Mitglied der Jury für den Communicator-Preis der DFG und Autor mehrerer Bücher (aktuell: Endlich Mitwisser!, KiWi-Verlag).

 

Dr. Michael Kreutzer

Projektleiter DORIAN, Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)

 

Dr. Philipp Müller

Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Publizistik, Universität Mainz

Philipp Müller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zuvor war er von 2010 bis 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort promovierte er 2015 mit einer Arbeit zur Wahrnehmung des Medienwandels. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Nachrichtenproduktion und -rezeption, Medienwandel und Digitalisierung sowie politische Kommunikation.

 

Miriam Stumpfe

Redakteurin Wissenschaft, Bayerischer Rundfunk (BR)

Miriam Stumpfe kann als Wissenschaftsredakteurin beim Bayerischen Rundfunk tun, was ihr schon Spaß machte, als sie mit drei Jahren die Großmutter mit Warum-Fragen nervte: Klugen Leuten Löcher in den Bauch fragen - egal ob es um Schwarze Löcher, Tiefseequallen oder Gänsehaut beim Musikhören geht. Und dann die spannenden Geschichten weitererzählen. Der Weg dahin begann mit einem Studium in Freiburg und München (Musikwissenschaft, Geschichte), und führte über ein Volontariat beim BR direkt in den Hörfunk.

 

Albrecht Ude

Freier Journalist und Recherche-Trainer, Berlin

Albrecht Ude arbeitet als Freier Journalist, Rechercheur und Recherchetrainer für Onlinerecherche, Quellenprüfung und Kommunikationssicherheit. Seine Schwerpunkte sind strukturierte Internetrecherchen mit analytischen und forensischen Methoden, Quellenprüfung sowie Daten- und Kommunikationssicherheit. Zu seinen Arbeitsthemen zählen auch Bürgerrechte im digitalen Zeitalter und die Erosion von Rechtsstaat, Demokratie und freier Gesellschaft durch zunehmende Überwachung sowie Internetzensur (zum Beispiel in China). Ude bietet auf seiner Homepage www.ude.de reichhaltiges Material an, ruft auf www.einewoche-ohne.de zu mehr Vielfalt in der Internetrecherche auf, bloggt auf www.recherche-info.de, unterrichtet in Journalistenakademien, Verlagen und Sendern und ist leitender Redakteur des Newsletters von netzwerk recherche.

 

Stefan Voß

Leiter Verifikation, Deutsche Presse-Agentur (dpa)

Ein Westfale mit Faible für den Osten: Stefan Voß (48) hat für die Deutsche Presse-Agentur lange als Auslandskorrespondent gearbeitet. Von 1998 bis 2009 berichtete der Historiker zunächst aus Kiew und dann aus Moskau. Er spricht Russisch, was beim Reizthema „Fake News“ mitunter hilfreich ist. Seit kurzem kümmert sich der Podcast-Fan bei dpa um die Verifikation. Mit einem Team von Faktencheck-Experten baut die Nachrichtenagentur ihr Knowhow zur Überprüfung von Informationen, Bildern und Videos im Social Web weiter aus. Zuvor hatte Voß als Dienstleiter Innenpolitik gearbeitet. Twitter-Veteran (@stefanvoss), der die Datenkrake Facebook ebenso faszinierend wie gruselig findet.



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