Genome Editing beim Menschen: Die Debatte um den Eingriff in die Keimbahn (Mit Podcast)

MONTAG, 28. November 2016, 17:00-18:30 Uhr, Focke-Wulf-Saal

 

Die CRISPR-Methode wird in Forscherkreisen als revolutionär angesehen – unglaublich schnell, mit rund 30 Dollar extrem preiswert und sehr einfach in der Handhabung. Doch die Potenziale des Genome Editing und der weitere Prozess sind selbst für die Wissenschaft noch unklar. Dabei beherrscht die Debatte um den „Eingriff in die Keimbahn“ den Diskurs:

Beim International Summit on Human Gene Editing im Dezember 2015 in Washington wurde zwar die Intensivierung der Forschung innerhalb der gesetzlichen und ethischen Grenzen gefordert, um die Vorteile und Risiken des Genom-Editierens auszuloten. Die Wissenschaftler sprachen sich dagegen klar gegen eine Keimbahntherapie für klinische Zwecke aus: Zum derzeitigen Zeitpunkt gebe es zu viele Sicherheitsbedenken und gesetzliche Grenzen – „zu viele unbeantwortete Fragen, die noch adressiert werden müssen“, so CRISPR/Cas-Mitentdeckerin Emmanuelle Charpentier.

Gleichwohl könnte CRISPR/Cas, so die Hoffnung der Wissenschaftler, dabei helfen, Krankheiten wie Mukoviszidose, Zystische Fibrose, Sichelzellenanämie, Beta- Thalassämie oder Alzheimer zu heilen und Krankheitserreger wie HIV zu bekämpfen.

Doch wenn man genetische Krankheiten beim Menschen behandeln will, müsste man in die Keimbahn eingreifen – eine Methode, die in Deutschland verboten ist. Hier gilt das restriktive Embryonenschutzgesetz (ESchG) von 1990, nach dem ein Embryo keinem Zweck zugeführt werden darf, der nicht seinem Erhalt dient. Mit den Fortschritten in der Molekularbiologie tun sich jedoch gravierende Lücken im Embryonenschutz auf.

Die Session soll herausarbeiten, welche Auswirkungen und Debatten in diesem Thema lauern und die wichtigsten Fragen für Journalisten aufzeigen: Neben den Chancen und Potenzialen der neuen Methodik stehen die ethischen und rechtliche Fragen im Vordergrund: Wie tangiert Genome Editing den geltenden Rechtsrahmen und an welchen Stellen besteht Regulierungsbedarf?

Darüber hinaus soll die bisherige Berichterstattung über die Keimbahnintervention kritisch hinterfragt werden: „Designer-Babys“, „Babys nach Maß“ – trägt der Journalismus, wenn er die Debatte unter solchen Überschriften führt, tatsächlich dazu bei, den Dialog zu versachlichen? Wie sollte die Rolle des Wissenschaftsjournalismus in diesem Diskurs aussehen?

REFERENTEN:

  • Dr. Dirk Heckl, Teamleiter Pädiatrisches Forschungszentrum, Medizinische Hochschule Hannover
  • Prof. Dr. Jochen Taupitz, Direktor Institut für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim
  • Kathrin Zinkant, Wissenschaftskorrespondentin, Süddeutsche Zeitung, Berlin

MODERATION:

  • Nicole Heißmann, Redaktion Wissenschaft und Medizin, STERN


Die Präsentationen der Session finden Sie hier:

A7, Heckl: Genome Editing beim Menschen: Die Debatte um den Eingriff in die Keimbahn

A7, Zikant: Genome Editing beim Menschen: Die Debatte um den Eingriff in die Keimbahn



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