A8_ Workshop Wissenschaft
Gender Studies im Check

MONTAG, 04.12.2017, 17:00-18:30 Uhr, Konferenzraum 1 (Spectrum)

Die Gender Studies haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren an den Universitäten und Fachhochschulen etabliert. Fast jede Hochschule bietet heute Gender Studies an – wahrscheinlich der am schnellsten wachsende Wissenschaftszweig hierzulande: mit über 200 Professuren für Geschlechterforschung im deutschsprachigen Raum.

Gleichzeitig wird der wissenschaftliche Anspruch der Gender-Forschung immer öfter infrage gestellt. Ihre Theorie verneine naturwissenschaftliche Standardtheorien, was sie „in den Zustand einer Ideologie“ erhebe – ein "pseudowissenschaftliches Hirngespinst ohne faktische Grundlage". Mittlerweile ist "Gender" zum Kampfbegriff mutiert. Professor*innen, die zu Genderfragen forschen, werden als „Lehrstuhlbesetzerinnen“ und „sogenannte Wissenschaftlerinnen“ diffamiert. Die Genderwissenschaften ziehen erstaunlich viele Vorurteile und Verunglimpfungen auf sich, kein anderes Wissenschaftsgebiet polarisiert derart.

Warum erscheint es auch in der Wissenschaft kulturell legitim, Frauen abzuwerten? Weshalb hat sich die Vorstellung verfestigt, Geschlecht sei so alltäglich, das man es nicht wissenschaftlich untersuchen braucht? Oder geht es hierbei letztlich um Deutungshoheiten und damit um Machtfragen? Diese Session stellt die Gender Studies auf den Prüfstand: Wie arbeiten sie, wie haltbar sind ihre Ergebnisse? Was sind die Ursachen für das Feindbild Gender? Wie sollten sich Journalisten diesem Thema nähern, was können wir besser machen?

REFERENTEN:

Hilke Rusch [Mod.]

Freie Journalistin und Moderatorin, Berlin

Hilke Rusch absolvierte ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. An der Freien Universität Berlin studierte sie bis 2015 Politikwissenschaft. Beide Studiengänge schloss sie mit Diplom ab. Sie arbeitet als Redakteurin, Autorin und Sprecherin für den Hörfunk und Zeitungen. Im rbb-Kulturradio moderiert sie das Zeitpunkte-Magazin.

 

Dr. Jutta Hergenhan

Wissenschaftliche Geschäftsführerin, Zentrum für Medien und Interaktivität, Universität Gießen

Jutta Hergenhan, ist seit Juni 2017 wissenschaftliche Geschäftsführerin des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) an der Universität Gießen. Zuvor war sie im Projekt Einstellungen-Medien-Engagement-Lehren (EMEL) tätig und hat den Forschungsverbund Antidemokratische Haltungen koordiniert. Sie hat Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und am Institut d’Etudes Politiques in Paris studiert, wo sie u.a. persönliche Referentin von Jacques Delors war. 2011 erfolgte die Promotion an der FU Berlin. Von 2012 bis 2015 war sie Geschäftsführerin der Arbeitsstelle Gender Studies sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Gießen.

 

Prof. Dr. Paula-Irene Villa

Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gender Studies, LMU München

Paula-Irene Villa ist seit 2009 Lehrstuhlinhaberin für Allgemeine Soziologie und Gender Studies an der LMU München. Sie studierte Sozialwissenschaften in Bochum und Buenos Aires, promovierte in einem DFG-Graduiertenkolleg und habilitierte sich an der Universität Hannover. Aufenthalte als Gastwissenschaftlerin führten sie u.a. an die Universitäten Fribourg und Innsbruck. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind soziologische und Geschlechtertheorie/Gender Studies, Biopolitik und „embodiment“, Kultur/Cultural Studies, Elternschaft und Care sowie Gender & Science. Ihre drittmittelgeförderten Forschungsprojekte (DFG, VW, Humboldt u.a.) befass(t)en sich u.a. mit kosmetischer Chirurgie, Fitness und Ernährung in der modernen Gesellschaft, Karrieren in der Wissenschaft, Fürsorge/Care und Geschlecht. Sie ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und Autorin bzw. (Ko-)Herausgeberin von über 10 Büchern und von ca. 50 Zeitschriften- und Buchbeiträgen.

 

Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß

Forschungsprofessur Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung, Hochschule Merseburg

Heinz-Jürgen Voß hat Diplom-Biologie in Dresden und Leipzig studiert und 2010 zur gesellschaftlichen Herstellung biologischen Geschlechts in Bremen promoviert. Seit Mai 2014 hat er die Professur für Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung an der Hochschule Merseburg inne. Er leitet das BMBF-Forschungsprojekt Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung sowie das EU-Projekt (Erasmus+) TRASE – Training in Sexual Education for People with Disabilities.

Schwerpunkte: Sexuelle Bildung, Prävention sexualisierter Gewalt, biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, Geschichte und Ethik der Medizin und Biologie, Queer-feministische und kapitalismuskritische Theorien.

Zu seinen Publikationen zählen u.a. Geschlecht: Wider die Natürlichkeit (2011), Queer und (Anti-)Kapitalismus (mit S.A. Wolter, 2013), Schwule Sichtbarkeit – schwule Identität (mit Z. Çetin, 2016), Dritter deutscher Männergesundheitsbericht (Hg., 2017). 



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