Lunchtime: "Forum Junger Forscher"

DIENSTAG, 05.12.2017, 12:15-13:00 Uhr, Raum platinum 2

Beim „Forum Junger Forscher“ präsentieren exzellente Nachwuchswissenschaftler ihre Forschung zu den diesjährigen wissenschaftlichen Workshops. Über die Workshops hinaus wollen wir Journalisten Gelegenheit bieten, junge Forscher mit neuen Forschungsansätzen in diesen vier Themenfeldern kennenzulernen – und zwar in einem neuen kommunikativen Format: Während einer Lunchtime werden die jungen Forscher von bekannten Wissenschaftsjournalisten zu ihrer Arbeit und ihrem Ansatz interviewt – locker beim Lunch an Stehtischen, sodass sich Interessierte jederzeit dazugesellen, zuhören, eigene Fragen stellen und miteinander ins Gespräch kommen können. Alle Teilnehmer sind herzlich willkommen.

 

Dr. Michel Krämer: 

 

WIE MAN DIE CLOUD EFFEKTIV FÜR GEODATEN NUTZEN KANN

 

Topografische Karten, Bebauungspläne, Kontrolle von Luft, Wasser und Boden, Katastrophenschutz – Geodaten sind heute für eine Vielzahl von Anwendungen wichtig. Doch durch immer genauere Aufnahmeverfahren werden die Daten zunehmend größer und komplexer, so dass sie mit den gegenwärtigen Technologien nicht mehr verarbeitet werden können. Michel Krämer hat nun einen neuen Ansatz vorgestellt, der die Verarbeitung von großen Geodatenmengen möglich macht. Seine Hypothese: „Man kann eine Microservice-Architektur mit einer einfach zu bedienenden Benutzerschnittstelle in der Cloud implementieren.“ Dabei basiert die Benutzerschnittstelle auf einer speziell von Krämer designten domänenspezifischen Sprache, die Anwendern die Modellierung von automatisierten Verarbeitungsworkflows erlaubt. Seine Arbeit stellt somit einen großen Schritt im Paradigmenwechsel in der Geoinformatik von herkömmlichen Desktop-basierten Systemen zur Cloud dar: Anwender und Entwickler von Geoapplikationen können die Cloud nun effektiv für ihre Arbeitsprozesse zu nutzen.

Michel Krämer ist stellvertretender Abteilungsleiter in der Abteilung Geoinformationsmanagement des Fraunhofer IGD. Er studierte Informatik an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen und kam 2004 als studentische Hilfskraft an das Fraunhofer IGD, wo er seit 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. Seine Promotion erfolgte im November 2017. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Compilerbau und Language Recognition, Künstliche Intelligenz, Big Data und Cloud Computing. Dies sind auch seine Themen an der TH Mittelhessen in Gießen, zu der er als Dozent zurückgekehrt ist. 

 

Dr. Michel Krämer

Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

Fraunhoferstr. 5

64283 Darmstadt

T 06151 / 155 415

Michel.Kraemer@igd.fraunhofer.de

 

 

Johannes Tröger: 

 

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ ZUR SPRACHBASIERTEN MESSUNG KOGNITIVER GESUNDHEIT

 

Johannes Tröger ist Forscher im Bereich Intelligente Benutzerschnittstellen des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken. Seit 2016 ist er dort im Kompetenzzentrum Ambient Assisted Living (CCAAL) tätig. Im Rahmen verschiedener nationaler und internationaler Projekte arbeitet er an Anwenderakzeptanz und partizipatorischer Designmethodik. Dabei steht die Nutzererfahrungen (user experience) und der Mehrwert von KI in praktischen Anwendungsfällen immer im Zentrum. Johannes Tröger hat Educational Technology (M.Sc.) und Psychologie (B.Sc.) an der Universität des Saarlandes studiert. Dabei konnte er umfangreiches Wissen in der Konzeption nutzerorientierter Schnittstellen sowie im Einsatz qualitativer und quantitativer Methoden sammeln. Diese Erfahrung kommt ihm nun auch in der Arbeit zu sprachbasierter Analyse von Kognition zunutze. Hier steht die Anwendung von KI-Forschung – konkret: Methoden der Sprachverarbeitung im Kontext der Diagnose neurokognitiver Störungen – im Mittelpunkt: „Wir arbeiten zusammen mit klinischen Partnern aus Europa daran, die nächste Generation objektiver sprachbasierter kognitiver Tests zu entwickeln, um neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer frühzeitig und flächendeckend erkennen und im Verlauf beobachten zu können.” Diese Arbeiten führten auch zur Gründung des DFKI Spin-offs ki elements, wo er als Mitgründer daran arbeitet, die KI-Forschung des DFKI in ein marktreifes Produkt für Neurologen und Neuropsychologen zu verwandeln.

 

Johannes Tröger

Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)  

Stuhlsatzenhausweg 3

Campus D3 2

66123 Saarbrücken 

T 0681 / 85 775 10 54

Johannes.Troeger@dfki.de

 

 

Prof. Dr. Tetyana Galatyuk:

 

WAS DIE HEISSE MATERIE IM HADES VERRATEN KANN

 

Eigentlich wollte Tetyana Galatyuk Ärztin werden. Doch dann schlug sie eine andere Richtung ein: Sie wurde Kernphysikerin. Nach dem Physik-Studium in Kiew arbeitete sie in einem Kernkraftwerk in der Ukraine und kam als Doktorandin nach Deutschland. „Nun mache ich eine Art Chirurgie von Atomkernen", sagt die Ukrainerin. Seit 2012 ist sie Juniorprofessorin an der TU Darmstadt und forscht am Teilchendetektor HADES (High Acceptance Di-Electron Spectrometer) am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung. 

 

Der Detektor registriert Teilchen, die bei Kollisionen von fast lichtschnellen Gold-Ionen mit dünnen Goldfolien entstehen. Bei diesen Kollisionen erhitzt sich die Materie extrem: 100.000 Mal heißer als das Innere der Sonne und extrem dicht – „wie eine mikroskopische Kollision zwischen Neutronensternen“. Dabei ändern die Materiebausteine ihr Verhalten. 

 

Die Experimentalphysikerin erhofft sich durch HADES Aufschlüsse über den Aufbau von Materie unter extremen Bedingungen wie etwa in hochverdichteten Neutronensternen. Vor allem interessiert sich Tetyana Galatyuk für Paare von Elektronen und Positronen, die gleichzeitig entstehen und sich diametral vom Kollisionspunkt entfernen: Der Nachweis dieser Paare erlaubt ein Blick ins Innere der Explosion. Das Gerät, das sie dafür entwickelt, funktioniert ähnlich wie ein Tomograf in der Medizin: Es misst, welche Teilchen den gleichen Ursprung haben und daher das gesuchte Paar darstellen – mit chirurgischer Präzision. Womit Tetyana Galatyuk ihr aktuelles Forschungsfeld und ihren alten Wunsch fast ganz in Deckung gebracht hätte. 

 

Prof. Dr. Tetyana Galatyuk

GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung

Planckstraße 1

64291 Darmstadt

T 06159 / 711822

t.galatyuk@gsi.de

 

Dr. Ulrich Zierahn: 

 

DIGITALISIERUNG DER ARBEITSWELT: KEIN ENDE DER ARBEIT, SONDERN VERÄNDERUNG DER ARBEIT

 

Wie viele Arbeitsplätze sind durch die zunehmende Digitalisierung gefährdet? Weit weniger als bislang vermutet, ist sich Ulrich Zierahn sicher. Der Senior Researcher im ZEW-Forschungsschwerpunkt „Arbeitsmärkte im Wandel“ erforscht die Folgen von technologischem Wandel, internationalem Handel und Offshoring für Arbeitskräfte und Arbeitsmärkte. 

Während eine Studie zu dem Schluss kam, dass 47 Prozent aller Beschäftigten in den USA durch die Automatisierung gefährdet sind, orientieren sich Ulrich Zierahn und seine ZEW-Kollegen an den tatsächlichen Tätigkeiten an den Arbeitsplätzen: Maschinen verdrängen nicht gleich ganze Berufe, sondern ersetzen vielmehr einzelne Tätigkeiten. Dieser tätigkeitsorientierte Ansatz führt Zierahn zu einer wesentlich konservativeren Einschätzung des Automatisierungspotenzials: Demnach sind im Schnitt nur neun Prozent der Arbeitsplätze in 21 untersuchten OECD-Ländern automatisierbar. Zudem dürfen diese Automatisierungspotenziale nicht mit möglichen Jobverlusten gleichgesetzt werden, denn Beschäftigte passen sich an und es entstehen auch neue Jobs. Ulrich Zierahn und seine ZEW-Kollegen finden in weiteren Studien heraus, dass sich Digitalisierung stark auf die Berufsstruktur, aber kaum auf die Gesamtbeschäftigung auswirkt. Die Anforderungen an die Arbeitskräfte verändern sich. Vor allem Geringqualifizierte könnten unter diesem Anpassungsdruck leiden. 

Die Herausforderung für die Arbeitswelt von morgen, prognostiziert Zierahn, liegt daher  eher in einer Zunahme der Ungleichheit bei Beschäftigungs- und Lohnchancen – und der Frage, wie Weiterbildung und Qualifizierung für die am stärksten betroffenen Arbeitskräfte sichergestellt werden kann.

Ulrich Zierahn studierte Wirtschaftswissenschaften in Kassel, arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) und wurde 2013 von der Universität Kassel für die beste Dissertation ausgezeichnet.

 

Dr. Ulrich Zierahn

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) 

L 7, 1

68161 Mannheim

T  0621 / 12 35 280

ulrich.zierahn@zew.de

 



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