A2_Diskussion
Wissenschaftsjournalismus im Zeitalter der "Lügenpresse"

MONTAG, 04.12.2017, 14:30-16:00 Uhr, Konferenzraum 3

In Kooperation mit der WPK
Entwicklungen im Wissenschaftsjournalismus

Diese Session soll der Fragen nachgehen, wie stark die aktuelle Debatte um „Lügenpresse“ und „Fake News“ den Wissenschaftsjournalismus betrifft: Muss sich auch die Wissenschaftsberichterstattung einer solchen Fundamentalkritik stellen? Wie geht man in der heutigen Zeit mit schnellem, aber oft nicht sonderlich fundiertem Feedback um? Wie reagiert man am besten auf totale Ablehnung und Angriffe auf die eigene Integrität? Vor allem sollen Strategien erörtert werden, mit denen man in der journalistischen Praxis gezielt gegen den „Fake“-Vorwurf angehen könnte: Wie kann es Journalisten gelingen, mehr Fakten in die öffentliche Debatte einzuspeisen? Wie vermittelt man komplexe Ergebnisse, widersprüchliche Aussagen und folgenschwere Erkenntnisse?

Wie sinnvoll wäre es, mehr Kontextwissen über das Wissenschaftssystem und seine Arbeitsweise und -prozesse transportieren – etwa zur Vorläufigkeit von neuen Erkenntnissen und Theorien? Sollten Journalisten stärker auf die Zweifel und Widersprüche der Forschung eingehen – oder laufen sie damit Gefahr, als politische Interessenvertreter oder als „merchants of doubt“ (Naomi Oreskes) wahrgenommen zu werden?

Provokant gefragt: Hat sich auch der Wissenschaftsjournalismus zu weit von seinem Publikum entfernt? Könnte eine solche Distanzierung mit mehr Umfragen und Diskussionsrunden mit Lesern oder mit mehr Alltagsfragen an die Wissenschaft überbrückt werden? Oder sollten eher die journalistische Arbeit, Quellen und Hintergründe sichtbar gemacht werden – wie es ZEIT Wissen mit “Hier haben wir recherchiert” oder #WDR360 probiert? Und: Haben wir den Mut zu einem transparenteren Umgang mit (eigenen) Fehlern?

REFERENTEN:

Martin Schneider [Mod.]

Stellvertretender Redaktionsleiter Wissenschaft, Südwestrundfunk (SWR), Baden-Baden

Martin Schneider studierte Philosophie, Biologie und Germanistik in Aachen, Wien und Münster. Nach zwei Jahren Tätigkeit in der Pressestelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn arbeitete er als Freier Wissenschaftsjournalist für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender. Seit 1999 hat er die stellvertretende Redaktionsleitung der TV-Wissenschaftsredaktion des SWR in Baden-Baden inne. Im Jahr 2011 koordinierte er die ARD-Sendung W wie Wissen. Seit 2007 ist er Mitglied des Vorstands, seit 2011 Erster Vorsitzender der Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK, Bundesverband der Wissenschaftsjournalisten).

 

Ben Bode

Autor und Reporter, #WDR360

Benjamin Bode hat in Bonn Philosophie studiert und ist Autor, Moderator und Produzent des YouTube-Kanals SOundSO gesehen. Der Kanal hat es sich zur Aufgabe gemacht, gesellschaftliche Debatten transparent zu machen und die Grundlage für faire Diskussionen zu liefern. Für seine Beiträge wurde er mit dem Fast Forward Science Award von Wissenschaft im Dialog ausgezeichnet.

Seit 2015 arbeitet Bode als freier Journalist unter anderem für den WDR, wo er das Reportageformat #WDR360 sowohl vor als auch hinter der Kamera mitgestaltet. Immer mit dem Ziel, gesellschaftliche Debatten durch offene Recherchen und Verständnis vermittelnde Einblicke anzureichern.

 

Dr. Jan Kalbitzer

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Berlin

Jan Kalbitzer ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er forscht an der Charité Berlin und arbeitet als Psychotherapeut in eigener Praxis. 2015 erhielt er den Max Rubner Innovationspreis, seit 2016 leitet er das interdisziplinäre Ladenburger Kolleg Internet und seelische Gesundheit mit Standorten in Berlin, Münster und Tübingen.

Nebenher schreibt er als freier Autor Bücher und Essays zu aktuellen gesellschaftlichen Themen. Im September 2016 erschien von ihm Digitale Paranoia: Online bleiben, ohne den Verstand zu verlieren.

 

Dr. Max Rauner

Redakteur, ZEIT Wissen

Max Rauner ist Redakteur im Magazin ZEIT Wissen. Nach seinem Zivildienst als Hausmeistergehilfe studierte er Physik und Philosophie in Konstanz, Heidelberg und Boulder. In Hannover promovierte über Quantenoptik. 2004 half er, das Magazin ZEIT Wissen zu entwickeln. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem acatech-Preis für Technikjournalismus und dem Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus. Mit Tobias Hürter hat er die Bücher Die verrückte Welt der Paralleluniversen und Schluss mit dem Bullshit geschrieben.

 

Siegfried Weischenberg

Leiter Media Lab, International Media Center (IMC), HAW Hamburg

Der Kommunikationswissenschaftler und Soziologe war zunächst Zeitungsredakteur und Freier Journalist und promovierte dann – nach einem sozial- und kommunikationswissenschaftlichen Studium – an der Universität Bochum zum Dr. phil. Nach einer Tätigkeit als Wissenschaftsredakteur in Frankfurt a. M. wechselte er an die Pädagogische Hochschule Ruhr (Dortmund), um beim Aufbau des dortigen Modellstudiengangs Journalistik mitzuwirken. Danach kehrte er erneut in den Journalismus zurück und arbeitete schließlich mehr als drei Jahrzehnte als Professor für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an den Universitäten Dortmund (1979-1982) sowie Münster (1982- 2000) und Hamburg (2000-2013), wo er jeweils auch Institutsdirektor war. Von 1999 bis 2001 war Weischenberg Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV). Er lebt jetzt als Autor und Forscher in Hamburg und Südafrika.



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