Retractions und mangelnde Reproduzierbarkeit

DIENSTAG, 29. November 2016, 10:45-12:15 Uhr, Borgward Saal

Die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten, die wegen fehlerhafter Daten und Interpretationen zurückgezogen wurden (retractions), ist seit dem Jahr 2000 um das 35- fache gestiegen. Hinzu kommt die zunehmende Nichtreproduzierbarkeit von Studien durch „selektives Publizieren“ ausschließlich positiver Ergebnisse oder durch unvollständiges Veröffentlichen der Versuchsdurchführung. Schätzungen zufolge beträgt die Rate der reproduzierten Studien nur 25 Prozent.

Dabei ist Reproduzierbarkeit – die Voraussetzung, einen Versuch unter den gleichen Bedingungen mit einem identischen Ergebnis zu wiederholen – die Grundlage aller Regeln und Gesetze, die sich aus empirischen Daten ableiten. Wenn Experimente nicht reproduzierbar sind, wanken auch die auf sie gegründeten Theoriegebäude. Manipulation, Interessenkonflikte und methodische Problemen rund um Statistik und Signifikanz stellen die Glaubwürdigkeit von Forschungsergebnissen in Frage und beschädigen ihre Aussagekraft.

Die Wissenschaft hat das Problem mittlerweile erkannt und diskutiert verschiedene Lösungsansätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis – journalistisch wird diese Debatte allerdings kaum abgebildet.

Der Workshop fokussiert die methodische Krise der empirischen Wissenschaft: Zunächst soll herausgearbeitet werden, welche Dimensionen die Problematik hat und welche Lösungsversuche tragfähig sein könnten. Dabei nähern sich die Experten dem Patienten mit Diagnose, Betrachtung der Symptome und Therapievorschlägen. Darüber hinaus sollen Zugangswege und mögliche Formate für die journalistische Berichterstattung diskutiert werden.

REFERENTEN:

  • Ivan Oransky, Retraction Watch [Statements via Skype]
  • Prof. Dr. Stefan Hornbostel, Leiter Abteilung Forschungssystem und Wissenschaftsdynamik, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), Berlin
  • Leonid Schneider, Molekularbiologe, Journalist und Blogger (For better Science), Frankfurt a.M.
  • PD Dr. Andra Schromm, Forschungszentrum Borstel - Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften
  • Lars Fischer, Redakteur, Spektrum der Wissenschaften

MODERATION:

  • Stefan Schmitt, Stellv. Ressortleiter Wissen, DIE ZEIT


Die Präsentationen der Session finden Sie hier:

B4, Fischer: Retractions und mangelnde Reproduzierbarkeit

B4, Hornbostel: Retractions und mangelnde Reproduzierbarkeit

B4, Schneider: Retractions und mangelnde Reproduzierbarkeit

B4, Schromm: Retractions und mangelnde Reproduzierbarkeit



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