Vom richtigen Umgang mit der Großforschung

DIENSTAG, 29. November 2016, 14:00-15:30 Uhr, Borgward Saal

Ob Gravitationswellen, Higgs-Teilchen, Wasserstoff-Plasma oder überlichtschnelle Neutrinos, ob LIGO, CERN, Wendelstein 7-X oder OPERA – gerade in der Grundlagenforschung arbeiten Wissenschaftler in internationalen Kooperationen an extrem teuren und aufwendigen Geräten. In der allgemeinen Berichterstattung kommen diese Projekte kaum vor, da es meist keinen praktischen Nutzen für das Publikum gibt. Wissenschaftsjournalisten hingegen sind von der Dimension und Perfektion der Großprojekte tendenziell begeistert. Haben sie tatsächlich die nötige Distanz, um "objektiv" über Großforschung zu berichten?
Wer berichtet angesichts der überwältigenden und anscheinend alternativlosen Projekte eigentlich kritisch?

Wo nur große, international finanzierte und betriebene Einrichtungen bestimmte wissenschaftliche Fragen beantworten können, stehen Journalisten oft vor dem Problem, dass sie gerade für spektakuläre Entdeckungen nur eine Quelle haben, hinter der Hunderte oder Tausende Wissenschaftler aus aller Welt stehen. Somit sind sie gänzlich auf die Selbstkontrolle der Institutionen angewiesen, die ihre Ergebnisse präsentieren. Reicht dies nach journalistischen Maßstäben aus – oder ist diese Konstellation der Normalfall, weil in der Grundlagenforschung selten dezidierte Gegenmeinungen zu finden sind?

Ist die Entwicklung zu großen internationalen Kooperationen mit exorbitanten Budgets unabdingbar? Auf welche Forschungsgebiete wird sich diese Entwicklung mittelfristig ausdehnen? Wo liegen die organisatorischen und inhaltlichen Problemstellungen bei solchen internationalen Großkooperationen?

Wie verständigt sich die Wissenschaft eigentlich auf Großprojekte – nur innerhalb der scientific community? Entzieht sich die Großforschung zunehmend der gesellschaftlichen Kontrolle – oder garantiert gerade die internationale Ausrichtung „check &  balance“?

REFERENTEN:

  • Prof. Dr. Rolf-Dieter Heuer, Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (seit 1. April 2016) (bis Dezember 2015 Generaldirektor CERN)
  • Rainer Klüting, ehem. Redakteur, Stuttgarter Zeitung
  • Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Vorstands, Forschungszentrum Jülich GmbH
  • Andreas Schütz, Leitung Presse / Pressesprecher, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
  • Alexander Stirn, Freier Wissenschafts- und Technikjournalist (u.a. SüddeutscheZeitung, ZEIT, GEO, SPIEGEL ONLINE), München

MODERATION:

  • Dr. Alexander Mäder, Chefredakteur, Bild der Wissenschaft


Die Präsentationen der Session finden Sie hier:

B9, Schütz: Vom richtigen Umgang mit der Großforschung

B9, Stirn: Vom richtigen Umgang mit der Großforschung

B9, Statements zum Umgang mit der Großforschung



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