A1_EINSPRUCH: Die Politik der Demütigung: Medien als Schauplatz von Macht und Ohnmacht

MONTAG, 19. November 2018, 12:30-13:30 Uhr, NEU: Kaisen Saal

Der digitale Pranger: In unserer medialen Moderne scheinen Pöbeleien, Normverletzungen und Demütigungen exponentiell zuzunehmen – gerade in sozialen Netzwerken. Während sich im 18. Jahrhundert vor allem Beschämungen wie die Prangerstrafe beobachten ließen, dominieren heute offenbar Demütigungen. Wie lässt sich dieses Bedürfnis nach dauerhafter Stigmatisierung erklären?

Im Gespräch mit der Historikerin Ute Frevert stehen Medien als Schauplatz von Macht und Ohnmacht im Mittelpunkt. Schließlich setzen die Protagonist*innen des gegenwärtigen politischen Populismus die Politik der Demütigung gezielt ein und aktivieren tiefsitzende Gefühle der Erniedrigung. Dabei werden Frauen anders gedemütigt als Männer – der (weibliche) Körper ist immer wieder Anlass als auch Medium der Demütigung.

Im Eröffnungsgespräch der #WW18 gehen Ute Frevert und die Moderatorin Christina Sartori auch dem Paradoxon nach, dass es einerseits in den modernen westlichen Gesellschaften immer weniger Gründe gibt, sich zu schämen, und dass andererseits eine zunehmend größere Sensibilität für Beschämungen vorherrscht. Warum ist das Bedürfnis nach Kontrolle des eigenen öffentlichen Bildes dermaßen ausgeprägt? Wie bedingen sich Selbstreferenzialität und Verletzbarkeit? Nehmen wir uns selbst so wichtig, dass jede Kritik als Demütigung empfunden wird? Was bedeutet dieser Narzissmus etwa für den gesellschaftlichen Diskurs und damit auch für uns Medienmacher*innen?

Ute Frevert beschreibt die Rolle der modernen Massenmedien als „Demütigungsakteure“ und ihre Wirkung als öffentlichen Pranger – und geht der Frage nach, inwieweit das Internet ganz neue Techniken der Beschämung bietet. Inwiefern befeuern die digitalen Medien mit ihrer 24/7-Berichterstattung und die Sozialen Medien mit ihren Echoräumen die Wahrnehmung des Gedemütigtwerdens? Wie sehen die Rolle und Aufgabe des (Wissenschafts-)Journalismus in diesem Kontext aus? Und was können wir Journalist*innen im Umgang mit Macht und Ohnmacht anders und besser machen?

 

REFERENTIN

Prof. Dr. Ute Frevert

Direktorin des Forschungsbereichs Geschichte der Gefühle

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin

 


Foto: Mike Wolff

Ute Frevert ist Historikerin und forscht zu Neuerer und Neueste Geschichte. Seit Januar 2008 ist sie Direktorin des Forschungsbereiches Geschichte der Gefühle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Geschichte moderner Gesellschaften und deren kultureller Systeme. Eine tragende Rolle spielen dabei die Konstruktion und Deutung von Geschlechterdifferenzen: Sie untersucht, welche Handlungsfelder Frauen und Männern zugewiesen werden und wurden, wie sich diese Zuweisungen änderten und welche Folgen das für die Gestaltung sozialer Beziehungen hatte. In diesem Kontext bearbeitet sie Themen wie die Organisation von Gewalt oder die Produktion von Vertrauen. Sie etablierte die Geschichte der Gefühle als eigenständige Kategorie der Forschung.

Ute Frevert hat Geschichte und Sozialwissenschaft in Münster, Bielefeld und London studiert. Nach der Promotion und Habilitation an der Universität Bielefeld und Fellowships in Berlin und Stanford folgten Professuren in Berlin, Konstanz, Bielefeld und 2003 bis 2007 an der Yale University. Seit 2008 ist sie Honorarprofessorin am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin. Weitere Gastprofessuren hatte sie in Jerusalem, New Hampshire, Wien und Paris.

 

MODERATION

Christina Sartori

Freie Wissenschaftsjournalistin, Berlin

 

 

Christina Sartori berichtet vor allem im Radio über Medizin, Gesundheit und manchmal auch Zellbiologisches. Im Anschluss an ein Studium der (Zell-)Biologie in Berlin, den USA und Frankreich studierte sie Wissenschaftsjournalismus an der Freien Universität Berlin. Nach ersten praktischen Erfahrungen beim Berliner Tagesspiegel, Uni Radio und Voice of America (USA) wechselte sie endgültig von der Wissenschaft zum Journalismus. Einige Radiobeiträge später begann Christina Sartori als Redakteurin der Wissenschaftsredaktion von WDR 5 in Köln: Bis 2010 war sie dort verantwortlich für den Bereich Medizin und Gesundheit. Seitdem arbeitet sie in Berlin als Freie Journalistin für den Hörfunk: WDR, BR, hr und Deutschlandfunk.



Programmplanung





Veranstalter

Logo Messe Bremen



Logo Bremen