A2_Diskussion
Die Abgasaffäre, die Auftragsforschung und das Vertrauen in die Wissenschaft

MONTAG, 19. November 2018, 14:30-16:00 Uhr, Focke-Wulf Saal

In Kooperation mit der WPK

 

Die Abgas- und Stickstoffdioxid-Experimente an der RWTH Aachen wurden von der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportwesen (EUGT) finanziert – einer Lobbyorganisation der Automobilhersteller. Der Fall ist nur ein Beispiel für unternehmensfinanzierte Forschung an Hochschulen: Jedes Jahr fließen 1,4 Milliarden Euro aus der Wirtschaft an die Hochschulen – rund ein Fünftel aller Drittmittel.

Instituts-Schenkungen, Stiftungsprofessuren, Forschungsaufträge – auf der einen Seite public private partnership (PPP), um teure Forschung finanzierbar zu machen. Auf der anderen Seite sehen Kritiker Einfallstore für Einflussnahme: Wie nah dürfen sich Wirtschaft und Hochschulen kommen? Wo und in welchem Maß findet hierzulande Forschungsfinanzierung durch Unternehmen statt? Wie transparent findet diese Auftragsforschung statt?

In welchem Maße bedrohen Mitspracherechte bei der Ernennung von Professoren oder bei der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen den freien akademischen Diskurs? Wem gehören die Forschungsergebnisse, die in staatlich finanzierten Labors entstehen? Wie stark leiden Disziplinen, die sich nicht unmittelbar ökonomisch verwerten lassen?  

In dieser Session wollen wir der Frage nachgehen, wie wichtig Drittmittel für die Hochschulen wirklich sind: Ist die Auftragsforschung also eine Gefahr für die Freiheit der Forschung – oder notwendige Geldquelle bei knappen Budgets und Innovationfaktor? Oder werden die Effekte von PPP unterschätzt, bei denen Studierende in der anwendungsorientierten Forschung lernen und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern können? Und: Wie ist der wissenschaftliche Stand zu conflicts of interests (CoI), welche Regularien sind sinnvoll, um Einflussnahmen zu vermeiden und die Finanzierten zu schützen?

 

REFERENT*INNEN

Christina Deckwirth

Campaignerin

LobbyControl, Berlin

 

Prof. Christian Kreiß

Finanzwissenschaftler

Hochschule Aalen und Autor Gekaufte Forschung: Wissenschaft im Dienst der Konzerne

 

Dr. Mathias Winde

Programmleiter Hochschulpolitik und -organisation

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

 

Prof. Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch

Geschäftsführender Direktor

Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien (IWT) und Mitglied im Präsidium der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF)

 

MODERATION

Martin Schneider

SWR Fernsehen / Vorsitzender Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK)

 

KURZBIOGRAFIEN:

Dr. Christina Deckwirth

Campaignerin, LobbyControl

Christina Deckwirth promovierte Politikwissenschaftlerin, hat in Marburg und York (Großbritannien) studiert. Seit Oktober 2011 arbeitet sie im Berliner Büro von LobbyControl. Zuvor hat sie u.a. als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Marburg und als Referentin für Handels- und Investitionspolitik bei der globalisierungskritischen Organisation „Weltwirtschaft, Ökologie und Entwicklung“ (WEED e.V.) gearbeitet. Sie recherchiert und macht Kampagnenarbeit zu konkreten Lobbyeinflüssen, insbesondere zu Wohnungspolitik, Reichtum und Einfluss und dem Abgasskandal. Sie verantwortet außerdem die lobbykritischen Stadtführungen durch das Regierungsviertel.

 

Prof. Dr. Christian Kreiß

Professor für Finanzierung, Hochschule Aalen

Christian Kreiß studierte Volkswirtschaftslehre in München. Nach neun Jahren Berufstätigkeit als Banker in verschiedenen Geschäftsbanken, davon sieben Jahre im Investmentbanking, unterrichtet er seit 2002 als Professor an der Hochschule Aalen Finanzierung und Wirtschaftspolitik. Er wurde seit 2013 drei Mal als unabhängiger Experte in den Bundestag eingeladen, u.a. als einer von sieben Wissenschaftlern in den Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung zum Thema „Wissenschaftliche Verantwortung“. 2015 erschien von ihm Gekaufte Forschung: Wissenschaft im Dienst der Konzerne (Europa Verlag). www.menschengerechtewirtschaft.de

 

Dr. Mathias Winde

Programmleiter Hochschulpolitik und -organisation

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Mathias Winde leitet im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Programmbereich Hochschulpolitik und -organisation. Er studierte deutsche Philologie, Politikwissenschaft und Geschichte an der Universität Köln und an der University of Warwick (UK). 2001 wurde er an der Universität Köln promoviert. Nach seiner Tätigkeit beim Institut der deutschen Wirtschaft leitet er beim Stifterverband die Programme im Bereich Hochschulentwicklung und Strukturinnovation in der Wissenschaft. Er hat zu Themen der Hochschulbildung und Hochschulfinanzierung publiziert und ist Mitglied im Arbeitskreis Hochschule – Wirtschaft der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

 

Prof. Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch

Geschäftsführender Direktor, Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien IWT

Bildergebnis für Prof. Dr.-Ing. Hans-Werner Zoch

Hans-Werner Zoch ist Direktor des Leibniz-Instituts für Werkstofforientierte Technologien (IWT) und Mitglied im Präsidium der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF). Nach dem Maschinenbau-Studium in Darmstadt hat er sowohl die Seite der Wirtschaft als auch die der Forschung kennen gelernt. Nach 20-jähriger Tätigkeit bei FAG Kugelfischer Georg Schäfer AG, zuletzt als Leiter der Forschung, übernahm er 2001 die Geschäftsführung bei der Neuen Materialien Bayreuth GmbH, bis er 2004 dem Ruf der Universität Bremen als Professor für Werkstoffwissenschaften (Metalle) folgte und die Leitung der Stiftung IWT übernahm.

 

MODERATION:

Martin Schneider

Stellvertretender Redaktionsleiter Wissenschaft, Südwestrundfunk (SWR)

Martin Schneider (Jahrgang 1960) studierte Philosophie, Biologie und Germanistik in Aachen, Wien und Münster. Nach zwei Jahren Tätigkeit in der Pressestelle der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn arbeitete er als Freier Wissenschaftsjournalist für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender. Seit 1999 hat er die stellvertretende Redaktionsleitung der TV-Wissenschaftsredaktion des SWR in Baden-Baden inne. 2011 koordinierte er die ARD-Sendung W wie Wissen. Seit 2007 ist er Mitglied des Vorstands, seit 2011 Erster Vorsitzender der Wissenschafts-Pressekonferenz (WPK, Bundesverband der Wissenschaftsjournalisten).

 

 

[DISCLAIMER: Das Thema berührt auch die WISSENSWERTE: Bei einem Co-Referenten des Werkstattgesprächs „Vorzeitige Todesfälle“ – eine fragwürdige Einheit am 05.12.2017 stellte sich im Nachhinein heraus, dass er im Forschungsbeirat der EUGT tätig war: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/vw-tests-an-affen-und-menschen-und-die-rolle-eines-eugt-wissenschaftlers-a-1190907.html

 



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