A7_Diskussion
#Heisszeit: Klimaberichterstattung zwischen Apokalypse und Apathie

MONTAG, 19. November 2018, 17:00-18:30 Uhr, Focke-Wulf Saal

In diesem heißen Sommer sorgte ein Paper in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) für Zündstoff: Der Übersichtsartikel von Will Steffen et al. über mehrere Klimastudien griff die Diskussion über die „Kipppunkte“ des Klimas auf. Eine „Heißzeit“ drohe zwar erst in Jahrtausenden, aber bereits in den kommenden Jahrzehnten könne eine Erwärmung unwiderruflich den Weg in die Heißzeit bahnen.

Die warmen Sommermonate machten das Szenario sinnlich fassbar, viele Medien griffen das Thema auf und mahnten angesichts von Hitze und Dürre mehr Aufmerksamkeit für das Klimaproblem an: „Wissenschaftler warnen vor einer ‚Heißzeit‘“ (tagesschau), „Bald gibt es kein Zurück mehr“ (ZEIT ONLINE), „Der Klimawandel bedroht alle – und die Politik sieht zu“ (Süddeutsche Zeitung).

Die mediale Berichterstattung führte schließlich zu einer hitzigen Auseinandersetzung unter Wissenschaftsjournalisten: Axel Bojanowski (SPON) warf der „Gaga-Klimabericht-erstattung“ eine “faktenfreie Hysterie” vor, die das Abwenden vom Thema bewirke und dem Klimaschutz schade. Dabei beschreibt Bojanowski die Klimaforschung mit „fundamentalen Wissenslücken“ und „erheblichen Unsicherheiten in grundlegenden Prozessen“.

Stimmt diese Zustandsbeschreibung der Klimaforschung? Oder spielt der Verweis auf wissenschaftliche Unsicherheiten als politische Chiffre der Klimaleugnerszene in die Hände, die als merchants of doubt (Naomi Oreskes) den klimawissenschaftlichen Konsens mit Desinformation torpediert? Handelt es sich bei den Wissenslücken nicht vielmehr um „Details“, die keinesfalls im Kern der Klimaforschung stehen und letztlich die „Ausrede zum Nichtstun“ liefern, wie Christopher Schrader (KlimaSocial) argumentiert: „Wir wissen genug, um endlich zu handeln“? Braucht der Klimajournalismus also einen Perspektivwechsel und sollte seinen Blick stärker auf soziale Prozesse der Transformation richten?

Diese Session versucht die Aufgabe der Klimaberichterstattung und die Rolle der Klimajournalisten auszuleuchten: Wollen Journalisten „nur“ informieren oder wollen sie zum Handeln auffordern? Mit welcher journalistischen Haltung gehen sie an die Berichterstattung heran, wie sehen die unterschiedlichen Motivationen aus? Und: Ist die Klimadebatte dermaßen polarisiert, dass es nur noch Extrempositionen gibt, die eine differenzierte Berichterstattung unmöglich machen?

Dabei wollen wir auch herausfinden, was wir über die psychologischen Effekte auf das Publikum wissen: Führt der Alarmismus der „Doomsday-Heulbojen“ (Jörg Kachelmann) zu Abwehrreaktionen, Abstumpfung und Apathie? Was motiviert dagegen Menschen zum (Klima)Handeln? Braucht die Berichterstattung mehr „konstruktive“ Elemente – sprich: mehr Wir schaffen das?

 

REFERENT*INNEN

Frank Böttcher

Meteorologe & Moderator

Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK) Hamburg

 

Axel Bojanowski

Redakteur Ressort Wissenschaft

SPIEGEL ONLINE

 

Dr. Imke Hoppe

Kommunikationswissenschaftlerin

Universität Hamburg

 

Christopher Schrader

Freier Wissenschaftsjournalist (KlimaSocial), Hamburg

 

MODERATION

Christoph Koch

Ressortleiter Wissenschaft, Medizin und Technik, STERN

 

KURZBIOGRAFIEN:

Frank Böttcher

Meteorologe & Moderator, Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK) Hamburg

Foto: dpa-tmn

Der Meteorologe und Geschäftsführer des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation (IWK) moderiert das Wetter für NDR, Hamburg1, Klassikradio, wetter.net, Weather Channel und ist als Experte regelmäßig bei ARD, N24, RTL und SAT.1 zu sehen. Er ist Entwickler des ExtremWetterKongresses, der als größter Bildungskongress zum Thema Wetter und Klima in Europa Impulse für die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Klimawandel geben will. Ebenso hat er das Format Wetter.Wasser.Waterkant für Schüler*innen entwickelt, organisiert die jährliche Fachtagung METKOM und arbeitet im Vorstand der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft mit.

Sein Buch Klimafakten (2013) – gemeinsam mit Sven Plöger – wurde von der Bundeszentrale für politische Bildung übernommen. Im Frühjahr 2018 ist das Buch Reise durch das Extremwetter der Erde erschienen, das er zusammen mit seinem Sohn Jonathan geschrieben hat.

 

Axel Bojanowski

Redakteur Ressort Wissenschaft, SPIEGEL ONLINE

Axel Bojanowski

Axel Bojanowski ist Diplom-Geologe (Diplom über Klimaforschung). Er schreibt seit 1997 als Wissenschaftsjournalist über die Themen Klima, Umwelt, Geoforschung, Meereskunde, Energien und Rohstoffe. Zunächst berichtete er als Freiberufler für Medien in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Großbritannien, später war er bei der Süddeutschen Zeitung und beim stern und Kolumnist beim Fachmagazin Nature Geoscience. Seit 2010 ist er Redakteur bei SPIEGEL ONLINE, außerdem Dozent für Journalismus und Geoforschung.

 

Dr. Imke Hoppe

Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Hamburg

Dr. Imke Hoppe

Seit April 2017 forscht und lehrt Imke Hoppe am Lehrstuhl für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg. Ein wichtiger Schwerpunkt der Professur liegt auf der Erforschung von digitalisierter Kommunikation, besonders unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Ihre Forschungsinteressen liegen bei Inhalten, Rezeption und Wirkung politischer Kommunikation, bei Transformationen politischer Öffentlichkeit (Digitalisierung, Transnationalisierung, Fragmentierung und Entertainisierung) sowie bei transnationaler Kommunikation und internationalem Vergleich von Mediensystemen und –kulturen. Imke Hoppe ist Mitherausgeberin von Klimawandel aus Sicht der Medienrezipienten und Online-Nutzer (2018, Springer VS).

 

Christopher Schrader

Freier Wissenschaftsjournalist, Hamburg 

Christopher Schrader ist seit knapp 30 Jahren Wissenschaftsjournalist. Seine Schwerpunkte: Klimaforschung, Energietechnik, Umwelt, Physik und Geowissenschaften. Er war Redakteur bei GEO Wissen, arbeitete beim Magazin Facts in Zürich und 15 Jahre lang als Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Von 2004 bis 2008 koordinierte er als Textchef die Artikel des Magazins SZ Wissen, zwischen 2011 und 2015 lebte Schrader als Wissenschaftskorrespondent der SZ in Berlin. Seither ist er Freier Autor in Hamburg.

2016 erhielt er den AAAS Kavli Prize for Science Journalism. Seit April 2018 betreibt er mit Christiane Schulzki-Haddouti und Alexander Mäder bei den RiffReportern das journalistische Projekt KlimaSocial (www.riffreporter.de/klimasocial).

 

MODERATION:

Christoph Koch

Ressortleiter Wissenschaft, Medizin und Technik, stern

Christoph Koch ist seit 2002 Ressortleiter Wissenschaft, Medizin und Technik beim Magazin stern. Das Klinikum der Universität Marburg beschäftige ihn nach seinem Studium der Humanbiologie (Physiologie, Humangenetik, Biochemie) als wissenschaftlichen Angestellten, er war dort an der Programmierung der physiologischen Computersimulationen für Froschversuche beteiligt, die mittlerweile vorklinischer Standard sind. Christoph Koch ist Absolvent des 20. Lehrgangs der Henri-Nannen-Journalistenschule. Vom Posten als Redakteur für Wissenschaft, Medizin und Computer beim stern wechselte er 1999 zur Redaktion für Wissenschaft und Technik von DIE WOCHE. 2001 kehrte er zum stern zurück. Seither erwarb er einen Bachelorgrad in Sozialwissenschaften und einen MBA Life Sciences.



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