B7_Diskussion
Wie Journalisten KI für ihre Arbeit nutzen

DIENSTAG, 20. November 2018, 14:00-15:30 Uhr, Focke-Wulf Saal

Auch wenn die Medienbranche noch zögerlich mit der neuen Technologie umgeht, gibt es immer mehr interessante Projekte, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten. Dabei spielt das Thema Personalisierung von Nachrichten eine wachsende Rolle: Mehrere Apps wollen mit KI herausfinden, was die Nutzer*innen gerade tun und ihnen dazu passenden Content anbieten. Die News-App xMinutes verspricht dem Nutzer die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Das Audio-Interview unter der Dusche, den längeren Text auf dem Arbeitsweg – die zugespielten Nachrichten von tagesschau, SPIEGEL ONLINE, dpa u. a. orientieren sich algorithmenbasiert und sensorgesteuert an individuellen Interessengebieten und Bewegungsabläufen.

Zu den vielversprechendsten Anwendungen gehören zurzeit auch KI-Konzepte für die journalistische Recherche: new/s/leak identifiziert in großen unstrukturierten Datenmengen Namen von Personen, Organisationen und Orten und visualisiert die Korrelationen. ScatterBlogs hilft Journalist*innen, Meldungen über Ereignisse in Echtzeit aus Twitter, Reddit, Telegram und Facebook zu extrahieren. Ebenfalls interessant für Medienhäuser und ihre Kommentarspalten könnte das Thema „hate mining“ sein: Wissenschaftler*innen der Universitäten Hildesheim und Antwerpen haben einen Hate-Speech-Detektor für Twitter entwickelt. Der Algorithmus erkennt nach eigener Aussage mit über 80-prozentiger Genauigkeit deutschsprachige Hassrede auf Twitter.

Wie Journalist*innen KI für ihre Arbeit nutzen: In dieser Session diskutieren Journalist*innen und Wissenschaftler*innen die Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz in der Medienpraxis: Was sind die Vor- und Nachteile, wo lauern Gefahren? Was bedeutet es für unsere Verantwortung als Journalist*innen, wenn KI die Relevanz von Nachrichten beurteilt? Kann KI vielleicht helfen, Filterblasen poröser zu machen? Wofür taugt KI und wofür nicht – und wohin geht die Reise?

REFERENT*INNEN

Dr. Sylvia Jaki

Medienlinguistin

Universität Hildesheim [Hate-Speech-Detektor]

 

Marco Maas

Gründer und Geschäftsführer 

OpenDataCity / Datenfreunde GmbH [xMinutes]

 

Dr. Dennis Thom

Geschäftsführer

ScatterBlogs GmbH, Stuttgart

 

Dr.-Ing. Gregor Wiedemann

Language Technology Group

Universität Hamburg [new/s/leak]

 

MODERATION

Eva Wolfangel

Freie Wissenschaftsjournalistin, Stuttgart

 

KURZBIOGRAFIEN

Dr. phil. Sylvia Jaki

Medienlinguistin, Universität Hildesheim

Sylvia Jaki, die ursprünglich Gymnasiallehramt für die Fächer Englisch und Französisch studierte, wurde 2013 an der Graduate School Language & Literature Munich im Bereich Sprachtheorie/Angewandte Sprachwissenschaft promoviert. Seither ist sie am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim tätig, wo sie Bachelor- sowie Masterstudierende im Bereich Übersetzungswissenschaft und Medienlinguistik ausbildet. Ihre Forschungsinteressen umfassen verschiedenste Felder der Sprache in den Medien, angefangen bei den Gestaltungsmitteln von Infotainment-Produkten über Herausforderungen der audiovisuellen Übersetzung, bis hin zu politisch motivierter Kommunikation in sozialen Medien.

 

Marco Maas

Gründer und Geschäftsführer von OpenDataCity / Datenfreunde GmbH

Marco Maas ist einer der ersten deutschen Datenjournalisten. Mit zwei Partnern gründete er 2009 die Datenjournalismus-Agentur OpenDataCity und realisierte in den vergangenen Jahren über 100 datenjournalistische Projekte für Kunden wie SPIEGEL, ARD, ZDF, SZ, Greenpeace und andere. Viele der Projekte sind preisgekrönt, die Agentur hat mehrere Grimme-Preise, Lead-Awards u.v.a. gewonnen. 2016/17 war er das zwei Jahre in Folge in der Top-10-Liste der Journalisten des Jahres in der Kategorie „Entrepeneur“. Das jüngste Projekt der Datenfreunde ist xMinutes, eine Nachrichten-App, die kontextbasiert journalistische Inhalte ausspielt - die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Quelle: https://re-publica.com/de/member/5460)

 

Dr. Dennis Thom

Technischer Geschäftsführer, ScatterBlogs, Stuttgart

Dennis Thom ist Technischer Geschäftsführer der ScatterBlogs GmbH, wo er SaaS-Dienste zur automatischen Analyse von Social Media Daten entwickelt. Von 2010 bis 2015 arbeitete und forschte er am Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) der Universität Stuttgart. Er war im EU-Forschungs- und Entwicklungsprojekt PESCaDO (FP7) involviert und koordinierte die Stuttgarter Teilnahme am BMBF-Projekt VASA. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Bereiche Visual Analytics, Data Mining, und Information Retrieval. Seine technischen Fähigkeiten umfassen insbesondere Echtzeit-Verarbeitung von großen Datenströmen, maschinelles Lernen, natürliche Sprachverarbeitung und geographische Datenvisualisierung.

 

Dr.-Ing. Gregor Wiedemann

Projektleiter new/s/leak, Universität Hamburg

Bildergebnis für Gregor Wiedemann

Gregor Wiedemann forscht in der Language Technology Group des Fachbereichs Informatik an der Universität Hamburg und ist dort der operative Leiter des Projekts new/s/leak (http://newsleak.io/). Er arbeitet an der Schnittstelle zwischen Sozial- und Informatikwissenschaften im Hinblick auf Forschungsmethoden, insbesondere auf die Verarbeitung natürlicher Sprache zur qualitativen Datenanalyse.

 

MODERATION:

Eva Wolfangel

Freie Wissenschaftsjournalistin, Stuttgart

Eva Wolfangel ist Wissenschafts- und Reportagejournalistin (ZEIT, GEO, Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, Spektrum der Wissenschaft und andere) sowie Speakerin und Moderatorin. Nach einigen Redakteursjahren bei einer regionalen Tageszeitung arbeitet sie seit 2008 als Freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte sind Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz und Virtuelle Realität, Informatik, Datenjournalismus, Wechselwirkung zwischen digitaler und realer Welt, Raumfahrt, Afrika. Mit ihrem Datenjournalismus-Projekt DebateExplorer hat sie gemeinsam mit Computerlinguisten das Potenzial der Künstlichen Intelligenz für den Journalismus untersucht. Aktuell baut sie bei den Riffreportern ihr Projekt VR-Reporterin auf, das sowohl aus der Virtuellen Realität und über sie berichtet als auch eine eigene journalistische Repräsentanz in der VR aufbaut. In diesem Jahr wurde sie von der Association of British Science Writers (ABSW) als European Science Writer of the Year 2018 ausgezeichnet.

HINTERGRUND:

Initiative new/s/leak von TU Darmstadt, Universität Hamburg & SPIEGEL

  • Auf Künstliche Intelligenz bei der Recherche setzt die Initiative new/s/leak, an der die TU Darmstadt, die Universität Hamburg und der SPIEGEL beteiligt ist und von der VolkswagenStiftung gefördert wurde. Das Open-Source-System identifiziert in großen mehrsprachigen Datenmengen, wie sie bei Leaks und Antworten auf IFG (Informationsfreiheitsgesetz)-Anfragen vorkommen, automatisch Namen von Personen, Organisationen und Orten als Entitäten und visualisiert die Korrelationen zwischen ihnen. http://www.newsleak.io/?page_id=6
  • „Die neue Version von new/s/leak 2.0 beinhaltet drei neue Hauptmerkmale: 1) automatische Spracherkennung und sprachabhängige Informationsextraktion für 40 Sprachen, 2) Entitäts- und Keyword-Visualisierung für effiziente Exploration und 3) dezentrale Bereitstellung zur Analyse vertraulicher Daten aus verschiedenen Formaten.“ (https://arxiv.org/abs/1807.05151

ScatterBlogs von der Universität Stuttgart

  • ScatterBlogs, ein Spin-off der Universität Stuttgart, hilft Journalisten, Meldungen über Ereignisse in Echtzeit aus Twitter zu extrahieren. Dabei unterscheiden Algorithmen zwischen echten Ereignisse und Gerüchten, indem sie die Quelle verifizieren und aus dem Kontext auch bei mehrdeutigen Ausdrücken den Sinn ableiten. Die Visualisierung zeigt dem Nutzer etwa anhand einer Weltkarte, wie sich eine bestimmte Nachricht ausbreitet. Die Nachrichtenagenturen dpa und AFP testen das Tool bereits. Informationen über den Original­Tweet, über die Quelle und deren Hintergrund machen es möglich, dass jeder Mensch stets die Ergebnisse des Algorithmus überprüfen und nachvollziehen kann. https://www.scatterblogs.com/

News­App xMinutes von OpenDataCity

  • Die Agentur OpenDataCity hat die News-App xMinutes entwickelt, die dem Nutzer die richtige Nachricht zur richtigen Zeit am richtigen Ort verspricht. Audio-Inhalte unter der Dusche, längere Texte auf dem Arbeitsweg – die zugespielten Nachrichten orientieren sich algorithmenbasiert und sensorengesteuert an den individuellen Interessengebieten, Bewegungsabläufen und Lesegewohnheiten. Für die Publishing-Plattform, die auch als journalistische Datenbank dienen soll, stellen rund 40 Medienpartner – darunter Tagesschau, SPON und dpa - ihre journalistischen Inhalte zur Verfügung. https://datenfreunde.com/xminutes/

Hate Speech-Detektor:

  • Sylvia Jaki (Universität Hildesheim) und Tom De Smedt (Universität Antwerpen) (tom.desmedt@uantwerpen.be) beschäftigen sich mit der automatischen Erkennung von Hassrede: „Wie ist es möglich, Hasspostings automatisch zu erkennen – um sie dann zum Beispiel im nächsten Schritt auch automatisch löschen zu können? Die Wissenschaftler machten sich ans Werk und entwickelten mit Hilfe von Machine Learning einen Algorithmus, der nach eigenen Aussagen der beiden mit über 80% Genauigkeit deutschsprachige Hassrede auf Twitter erkennt." https://wafana.de/2018/08/10/kampf-gegen-hate-speech/


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