B9_Workshop
Investigative Recherche: “Wenn Wissenschaftler schummeln”

DIENSTAG, 20. November 2018, 14:00-15:30 Uhr, Lloyd Saal

Im Juli dieses Jahres zeigte der WDR in der Sendereihe Quarks die investigative Recherche Betrug statt Spitzenforschung - Wenn Wissenschaftler schummeln über einen „Wissenschaftsskandal, in den Top-Universitäten, Spitzenforscher und sogar eine Wissenschaftsministerin verstrickt sind“ (O-Ton WDR). Kernthema sind Open-Access-Magazine und Kongresse, die offenbar ohne Qualitätskontrolle auch „Schrottstudien“ publizieren und präsentieren. Gerät unter dem Deckmantel der Wissenschaft immer öfter schlechte Forschung in Umlauf? Wie funktioniert das System in der Praxis und welche Auswirkungen haben diese Dysfunktionen auf das Wissenschaftssystem?

Der Ansatz von Autor Peter Onneken: „Salvia hispanica L as Brain Superfood: How Seeds Increase Intelligence”. Sprich: Chia-Samen machen schlau. Mit dieser steilen These und einer noch steileren Studie schaffte er es als (angeblicher) Forschungsleiter des (erfundenen) Kölner Instituts für Diät und Gesundheit in das Journal of Nutrition & Food Sciences (https://www.omicsonline.org/open-access/salvia-hispanica-l-chia-seeds-as-brain-superfood-how-seeds-increase-intelligence-2155-9600-1000684.pdf ) und in das Global Journal of Health Science, das seine Qualität vorgeblich mittels Peer Review sichert. Schließlich nahm Onneken am Weltkongress für Brustkrebs (7th World Congress on Breast Cancer) in Frankfurt teil und empfahl dort ungehindert Chia-Samen zur Brustkrebsvorsorge (https://www.omicsonline.org/conference-proceedings/1948-5956-C2-125-004.pdf).

In diesem Workshop diskutieren Autor und Presenter Peter Onneken, Redakteurin Daniele Jörg (WDR) und Prof. Holger Wormer (TU Dortmund) die journalistische Herangehensweise, ihre investigative Strategie und das „Forschungsdesign“ der Fake-Studie. Sie geben Einblicke in den Verlauf der Recherche und schildern die Reaktionen: Warum haben sie sich für das Format der „Presenter-Reportage“ entschieden? Was hat bei dieser Recherche gut funktioniert, wo traten Hindernisse auf?

Wie war das Feedback von Zuschauern, aus dem Wissenschaftssystem und von den journalistischen Kolleg*innen? Lessons learned: Was hätte das Team besser anders gemacht? Was hat der Film bewirkt – und wie geht es weiter mit dem Thema?

 

REFERENT*INNEN

Daniele Jörg

Stellvertretende Leiterin Programmgruppe Wissen und Religion

Westdeutscher Rundfunk (WDR)

 

Peter Onneken

Freier Fernsehjournalist

 

Prof. Holger Wormer

Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus

TU Dortmund

 

KURZBIOGRAFIEN:

Daniele Jörg

Stellvertretende Leiterin Programmgruppe Wissen und Religion, Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Daniele Jörg ist in Völklingen und Poughkeepsie (New York) zur Schule gegangen, hat in Mainz, am Oberlin College (Ohio) und an der Woods Hole Oceanographic Institution Biologie studiert und so Wissenschaft „hautnah“ erlebt. Erst war sie Freie Wissenschaftsjournalistin für den WDR, das ZDF und den Deutschlandfunk. Seit 1995 arbeitet sie als Redakteurin im WDR-Fernsehen u.a. für die Sendereihen Quarks (WDR), W wie Wissen (ARD), und internationale Dokumentationen über Naturwissenschaften und Technik. Seit Januar 2007 ist sie stellvertretende Leiterin der Programmgruppe Wissenschaft, seit Dezember 2016 stellvertretende Leiterin der neuen Programmgruppe Wissen.

 

Peter Onneken

Freier Fernsehjournalist

Bildergebnis für peter onneken betrug statt spitzenforschung

Peter Onneken ist investigativer Wirtschaftsjournalist und Filmemacher. Er hat Politik und Soziologie in Frankfurt am Main, Leicester und Lund studiert und beim Hessischen Rundfunk volontiert. Von 2000 bis 2001 arbeitete er für Bloomberg TV. Seitdem ist er als Freier Fernsehjournalist tätig. Aktuell arbeitet er für die ARD-Magazine Monitor und Plusminus. 2007 absolvierte er ein Arthur F. Burns Fellowship bei CNN und hat dort im Team von Anderson Cooper an dessen Sendung 360° mitgewirkt. 2014 wurde er mit dem Civis-Medienpreis für Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon ausgezeichnet. Im Juli 2018 lief im WDR seine Reportage Betrug statt Spitzenforschung – Wenn Wissenschaftler schummeln (Quarks).

 

Prof. Holger Wormer

Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus, Technische Universität Dortmund

Holger Wormer studierte Chemie und Philosophie in Heidelberg, Ulm und Lyon. Seit Ende der 1980er Jahre arbeitete er als Freier Journalist für Print und Hörfunk. 1996 bis 2004 recherchierte er als Wissenschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung auch zahlreiche Themen zu Fehlverhalten und Ethik in der Wissenschaft. Seit 2003/04 hat er an der TU Dortmund den deutschlandweit ersten grundständigen Universitätsstudiengang für Wissenschaftsjournalismus aufgebaut und forscht zur Qualität in Wissenschaft und Medien. Als einer der Sprecher ist er an der inzwischen dritten Arbeitsgruppe der Wissenschaftsakademien zur Wissenschaftskommunikation beteiligt. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. unter den „Journalisten des Jahres 2011“ und für das „Wissenschaftsbuch des Jahres 2012“.



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